Bienenvölker gehen zugrunde

Im Elsass protestierten Umweltschützer mit Regenschirmen gegen die für Mensch und Tier verheerenden Giftduschen, mitdenen man in Baden-Württemberg einem Pflanzenschädling zu Leibe rückte - und das auchnoch erfolglos, wie sich jetzt erneut zeigt.

Die Versuche, den Maiswurzelbohrer mit Gift auszurotten, sind erneut gescheitert. Für die sinnlosen Aktionen werden Landwirte, Chemiemulti Bayer, EU-Bürokratie und nicht zuletzt das CDU-geführte Landwirtschafts- ministerium in Baden- Württemberg verantwortlich gemacht. Die Bemühungen, den Pflanzenschädling zu bekämpfen, haben in der Vergangenheit massive Schäden bei Bienen, Insekten und in der Natur insgesamt verursacht. Im April und Mai 2008 wurden durch die Bekämpfung des Maiswurzelbohrers zehntausende Bienenvölker massiv geschädigt oder vernichtet. Rund 20.000 Bienenvölker sind nach Angaben des Imkerbundes an dem als Saatgutbeize verwendeten Pflanzenschutzgift zugrunde gegangen. Hauptverantwortlich für dieses Bienensterben waren nach Erkenntnissen der zuständigen Überwachungs- behörden des Bundes die Nervengifte Clothianidin und Imidacloprid. Dennoch lässt sich der Maiswurzelbohrer nicht mehr ausrotten, wie die jüngsten Funde in Bayern und Baden- Württemberg zeigen. Alleine in den vergangenen zwei Tagen wurden erneut 34 Käfer im Ortenaukreis gefunden.

Als der Käfer im Jahr 2003 im Elsass erstmalig gesichtet wurde, versprühten Hubschrauber 1,5 Tonnen des Gifts "Karate". Hinter dem Begriff Karate verbergen sich die besonders giftigen Pyrethroide. Beim Menschen lösen sie Übelkeit, Herzrasen und Atembeschwerden aus.

Ein massiver Gifteinsatz zur Abwehr des Käfers an der deutschen Grenze hat, wie vom Naturschutzverband BUND nicht anders erwartet, nichts gebracht. Im Jahr 2007 wurden die ersten Exemplare des Maiswurzelbohrers auf der badischen Rheinseite entdeckt und mit dem umstrittenen Insektengift "Biscaya" bekämpft. Biscaya wurde erst in einem Notverfahren am 31. Juli 2007 für den Einsatz gegen den Maiswurzelbohrer zugelassen. Es gibt ein Verbot des menschlichen Verzehrs bei drei Spritzungen.

In einer Richtlinie der EU wird der Maiswurzelbohrer unter den Schadorganismen als so genannter Quarantäne- schadorganismus eingestuft. Danach muss im Befallsjahr eine Befallszone von mindestens einem Kilometer Radius rund um ein Feld, in dem der Schadorganismus festgestellt wurde, und eine Sicherheitszone von mindestens fünf Kilometer Radius um die Befallszone ausgewiesen werden. Doch die Annahme einer möglichen Ausrottung ist unrealistisch.

Aus den USA eingeschleppt, vermutlich durch ein Flugzeug im Rahmen der letzten Balkankriege, ist der Schädling in Osteuropa und Österreich nicht mehr ausrottbar und breitet sich unaufhaltsam aus. "Mit Insektiziden und giftigen Beizen kann das Auftreten des Käfers verzögert werden. Ausrotten lässt er sich nicht mehr" sagt BUND- Geschäftsführer Axel Mayer. Er muss diese Sätze seit Jahren in seinen Stellungnahmen immer wieder sagen, ohne dass sie von den Verantwortlichen bisher beachtet wurden. Mayer nennt Ross und Reiter: "Die umweltschädlichen Bekämpfungs- maßnahmen sind auf die EU-Richtlinie zurückzuführen, die eine Zurückdrängung des Maiswurzelbohrers erreichen will."

Der Maiswurzelbohrer sollte nach Ansicht des BUND jedoch mit umweltfreundlichen Fruchtfolgen bekämpft werden, wie dies auch in der Schweiz geschieht. Das Gift, das jetzt verwendet werde, sei "ungefährlich", versichert Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) heute in einigen Medien. Ungefährliches Gift? Das wäre in der kurzen Geschichte der Maiswurzelbohrer- Bekämpfung etwas Neues. "Minister Hauk soll sich endlich für die Abschaffung der EU Quarantäneverordnung und für die umwelt-, bienen- und menschen- verträgliche Fruchtfolge einsetzen", fordert dagegen Axel Mayer.

Landwirtschaftsminister Hauk hatte die Maiswurzelbohrer- Bekämpfung zugelassen und machte dann die Saatgutfirmen verantwortlich für das Bienensterben in Südbaden. Die Hersteller der umstrittenen Maissaat-Beizung hätten offenbar zu wenig Haftmittel beigemischt, behauptete Hauk bei einem Treffen mit Imkern in Rheinau-Freistett. Für die Imker gibt es jedoch nur eine Ursache für den Bienentod und die bestand darin, dass das giftige Beizmittel überhaupt zum Einsatz kam.

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